Die Schreibkraft

Letzthin hat mich ein Leserbriefschreiber als Schreibkraft bezeichnet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es nicht wohlwollend gemeint hat. Er wollte wohl seinen Missmut über einen Text von mir mit dieser abschätzenden Bemerkung untermalen und war sich nicht bewusst, dass er damit genau das Gegenteil bewirkt hat. 

Natürlich ist anfänglich Ärger in mir hochgestiegen. Aber bevor dieser so richtig zu brodeln begann, habe ich vielerorts Komplimente bekommen, wie gut ich doch die Gedanken und Gefühle vieler getroffen hätte mit meinem Artikel. Ich weiss, Eigenlob stinkt. Aber so ein wenig Lob, statt Selbsttadel tut mir mehr als gut. In diesem Fall hat mich mein innerer „Argumentator“ nicht attackiert, sondern hat die Ruhe bewahrt und, wohl befeuert durch den Zuspruch von aussen, einfach das Wort „Schreibkraft“ aufmerksam betrachtet. Schon ein wenig angewärmt durch die positiven Rückmeldungen fokussierte er mich auf die eigentliche Aussage des Wortes, nämlich die Kraft des Schreibens. Und so ist es mir gelungen, dieses eigentlich nicht mehr sehr gebräuchliche Wort, dieses Substantiv, mit dem man früher eine Sekretärin, noch despektierlicher: ein „Tippfräulein“ oder „Tippmamsell“, bezeichnete, in einem ganz anderen Licht zu sehen.

Ich bin eine Schreibkraft! Weil ich die Kraft besitze schreibend Menschen zu erreichen. Weil mein Schreiben kraftvoll ist. Weil ich die Kraft meines Denkens schreibend ausdrücken kann. Weil ich durch die Kraft des Schreibens verstehen kann, was ich denke. Weil Schreiben an sich kraftvoll ist. Weil Schreiben eine Kraft ist, die mir immer zur Verfügung steht. Weil ich immer die Kraft finde um zu schreiben. Weil ich die Kraft bin, die hinter meinem Schreiben steht. Weil ich das Schreiben kraftvoll einsetzen kann, Weil…..

Man kann die Schreibkraft also von einer ganz anderen Warte aus betrachten und so wird die Bezeichnung zum Kompliment. Vielen Dank dafür!

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