Krisenbewältigung

Die Krise. Schon viel wurde über sie geschrieben, gesagt, philosophiert.

Ich habe schon einige in meinem Leben überwunden und oft daraus gelernt, Resilienz aufgebaut.

Doch diese Krisen waren meine eigenen. Sie betrafen nur mich und mein Umfeld. Diese Corona-Krise ist nicht so sehr meine, wie vielmehr eine globale und eine monumentale! Sie wird neben den unzähligen Toten eine kaum vorstellbare Zahl an traurigen Schicksalen und wirtschaftlichen Disastern hervorrufen. Es ist zu hoffen und macht den Anschein, dass sie wenigsten auch eine grosse Welle der Solidarität unter den Menschen auslöst, obwohl man sich jetzt physisch vor allem aus dem Weg gehen sollte.

Dieses Corona-Virus ist eine unsichtbare Grösse und zeigt sich nur in seiner – für manche tödlichen –  Auswirkung. 

Ich wache morgens auf, schaue über die friedliche Landschaft und das Frühlingsgrün der erwachenden Natur und atme Frieden ein. Es ist stiller als sonst. Wenig Berufsverkehr, kein Fluglärm. Die ersten Gedanken kommen und sagen mir: Nichts ist wie sonst. Erste vage Vorstellungen von einem normalen Tagesablauf werden jä durchkreuzt durch diese Gewissheit: Dies ist kein normaler Tag, kein Frühlingstag wie jeder andere, auch wenn nichts darauf hinzudeuten scheint. Dies ist ein Tag, in einer Schweiz, die sich im nationalen Notstand befindet. Auch heute wird die Zahl der Infizierten und die der Toten gestiegen sein.

Noch immer lässt mich die Zahl 800 nicht los, 800 Tote in Italien, innerhalb von 24 Stunden. Und das im Jahr 2020, nicht 1945!!! 

Das hat es – solange ich lebe – so, noch nicht gegeben, nicht in Europa! Das Virus verbreitet sich weltweit – rasant.

Nun, was gibt es zu sagen, zu schreiben, was nicht schon all die klugen Köpfe des Landes gesagt haben? Viele Unbekannte geben auch der Wissenschaft noch Rätsel auf. Sie werden wohl entschlüsselt werden – nachher.

Gibt es in meinem Erfahrungsschatz etwas, das mir oder anderen in diesen schweren Zeiten helfen kann? Sind all die klugen Sachen, die ich aus meinen eigenen überwundenen Krisen gelernt habe, jetzt noch anwendbar, haben sie noch irgendeine Gültigkeit?

In dieser Corona-Krise geht es um ein Virus, das Krankheit und Tod mit sich bringt. Es ist kein Mensch, den wir zukünftig meiden können oder eine Situation in die wir nicht mehr geraten möchten. Es ist für unser Auge nicht sichtbar und die Gefahr kündigt sich nicht an. Darum wohl haben so viele Menschen Mühe sich an die verordneten Massnahmen zu halten. Hält, wie gerade jetzt, der Frühling Einzug, zieht es die Menschen nach draussen, in den Wald, an den See auf die Wiesen, die wieder saftig grün wachsen und zu blühen beginnen. Man will in die Wärme der Frühlingssonne. Es ist Zeit für ein Picknick, Zusammensitzen ums Feuer und Würste braten, Velofahren, um in Strassencafés seinen Espresso zu trinken und dem Geschehen zuzuschauen, sich zu treffen mit Freunden – es ist die Zeit des alljährlichen Aufblühens, Neuanfangens und dabei will man mittun, dabei sein.

Doch das muss alles abrupt aufhören. Notstand! Möglichst drinnen bleiben, keine freundschaftlichen Umarmungen mehr und jeder soll ganz genau abwägen, mit wem sie sich überhaupt noch treffen will – am besten mit niemandem. Der Mensch, das soziale Wesen muss sich isolieren von den Anderen, zu ihrem und schliesslich zu seinem Schutz und um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. 

Einzelne Intensivstationen sind schon voll. Krankenhauspersonal wird auch krank, die Spitäler auch noch unterbesetzt. Das Schlimmste soll noch kommen.

Endlich sind nach Tagen und mehreren Aufrufen die Strassen nahezu leer und auch die Gefährdetsten, die über 65jährigen haben mehrheitlich verstanden, dass sie zuhause bleiben sollen, wie auch die Jungen, die es zu Ihresgleichen zieht, die sich gerne in Gruppen versammeln möchten.

Es ist Frühling und staythefuckathome, wasche Hände und desinfiziere Türfallen und halte zwei Meter Abstand zu jedem, den Du noch treffen musst!

Das Netz ist voller Hilfsangebote, Aufforderungen zu lustigen Spielen und Musik-Playlists, die uns unterhalten und ablenken möchten. Yoga- und andere Fitnessprogramme sollen uns sportlich halten, denn auch die Fitnessclubs sind zu.

Das ist das Schöne. Die Menschen stehen bildlich zusammen, auch wenn sie sich aus dem Weg gehen sollen.

Eine Woche schon sind Restaurants, Kinos und Läden zu. Nur noch die Lebensmittelläden sind geöffnet. Gearbeitet wird vorwiegend im Homeoffice, wenn überhaupt. 

Die Welt fürchtet eine Wirtschaftskrise, die wohl kommen wird und sie fürchtet das Virus, das schon da ist und wütet.

So, und nun stellt sich die Frage, was können wir hier anwenden, dass wir in früheren Krisen gelernt haben? 

Die simpelste Antwort ist: Sie geht vorbei?

Aber was machen wir mit unserer Angst, mit der Unsicherheit, wie unsere Zukunft aussehen wird, mit der Langeweile, mit der Zeit, die viele plötzlich haben, mit dem Getrenntsein von unseren Lieben?

Ich hab kein Rezept und bin überzeugt davon, dass jeder sich eigene Strategien angeeignet hat.

Persönlich bin ich überzeugt, dass folgendes wichtig ist: Erst Angst haben, wenn das Schlimme eingetroffen ist. Und auch dann versuchen, Panik zu vermeiden, denn sie vernebelt das differenzierte und fokussierte Denken und Handeln, das gerade in solchen Momenten dringend erforderlich ist. Auch Jammern darüber, was ist und sich fragen, warum das jetzt sein muss, bringt nichts. Angst hat eigentlich den Sinn uns zu schützen. So gilt es anzunehmen, was ist und mit Vorsicht und Bedacht zu ändern, was möglich ist, um uns vor weiterem Schaden zu schützen. Die Zeit, sich mit dem Warum auseinanderzusetzen, ist meistens nach der Krise gegeben. Dies zu tun ist zwingend. Dabei schliesst sich der Kreis zum Platz des Lernens und der entstehenden Resilienz: Wir entwickeln Strategien für weitere Krisen und Corona-Antikörper um in Zukunft resistent zu sein.

Für den Moment gibt es nur eines: kühlen Kopf bewahren, auf Abstand gehen, Hände waschen und wirklich: staythefuckathome!

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