Menschenliebe oder Misstrauen?

Ich neige dazu, Menschen die nett zu mir sind zu mögen und ihnen zu vertrauen. Ebenso neige ich dazu, immer wieder enttäuscht zu werden, weil ich zu schnell zu vertrauensvoll bin.

Liegt es an zu hohen Erwartungen? Oder liegt es an meiner schlechten Menschenkenntnis? Oder gar daran, dass ich viel zu dankbar bin, wenn jemand sich mir gegenüber nett und korrekt verhält?

Was für andere selbstverständlich ist, sauge ich auf, wie ein vertrockneter Schwamm. Oje – ist es gar so schlimm um mich bestellt?

Eigentlich ist es eine schöne Eigenschaft an das Gute im Menschen zu glauben. Es zeugt von Menschenliebe. Auch zu verzeihen und immer wieder mal neu anzufangen ist doch ein guter Ansatz im Gegensatz zu stetigem Misstrauen.

Doch wo ist der gesunde Ansatz? Was ist liebende Güte und was einfach Blödheit und Naivität.

Immer wieder will ich mich gütig zeigen, positiv und bejahend, und schlage dann gerne alle Warnungen und auch die Vorsicht in den Wind. Manchmal, da müsste ich es einfach besser wissen, weil schon einmal erlebt, weil sich Menschen eben nicht von Grund auf ändern, auch wenn ich mir das noch so sehr erhoffe. Dann lasse ich mich erneut einseifen von Schmeicheleien, die schlussendlich nur die Absicht haben, mich gefügig zu machen – für die Sache der Anderen. 

Doch eigentlich weiss ich ja wie der Hase läuft. Die wenigsten Menschen sind kalt berechnend. Die meisten sind überzeugt, das Richtige zu tun. Sie verfolgen ihre Ziele und manchmal, da bleibt etwas oder jemand auf der Strecke. Manche lügen und meinen sie sprächen die Wahrheit. Manche meinen zu helfen, aber helfen damit nur ihrer Absicht. Manche manipulieren und denken es sei im Sinne des Mitmenschen, auch wenn es nur in ihrem Sinne ist. Manche versprechen viel und sind nicht im Stande auch nur etwas davon zu halten. Manche verhalten sich wie Freunde und wollen es dann doch nicht sein. Menschen sind so und das in ihrem besten Wissen und Gewissen. Sie suchen Nähe bei Dir und wollen sie dann doch nicht genau so.

Obwohl ich das alles weiss und mir bewusst ist, dass der Mensch nur in seinem subjektiven Erleben und Wahrnehmen handelt, bin ich immer wieder enttäuscht darüber wie sehr er dadurch über seine oft nächsten Mitmenschen hinwegtrampelt und ein Trümmerfeld hinterlässt.

Gut möglich, dass auch ich das schon getan habe, was mir natürlich sehr leid täte. 

Im Wissen darum, wie schwierig menschliches Miteinander sein kann, wünsche ich mir Menschen um mich, denen ich vertrauen kann, deren Wort zählt, die sich mir gegenüber offen, wertschätzend, freundlich und liebevoll verhalten. Sie haben die Gabe, sich für Fehlverhalten zu entschuldigen, und sie eröffnen ihrem Gegenüber einen Raum, der es erlaubt, sich selbst und ehrlich zu sein, Fehler einzugestehen und zu entschuldigen. 

So sollte es sein, so möchte ich es gerne haben.

Darum muss ich wohl oder übel lernen, nicht jede Nettigkeit, die mir entgegengebracht wird sofort aufzublasen. Nicht jeder meint es nur gut mit mir. Ein wenig Misstrauen ist wohl gut. Das sollte man mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung wohl lernen.

Schade eigentlich! 

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